Jüdischer Wohnort Volkach
In Volkach und seinen Ortsteilen bestanden im 20. Jahrhundert keine jüdischen Gemeinden (mehr). 1933 lebte dort jedoch eine christlich-jüdische Familie mit einem Kind. Der 1929 geborener Sohn galt nach NS-Kriterien als ‚Halbjude‘. Seine Mutter stammte aus der jüdischen Gemeinde Kleinlangheim, wo sie bereits 1923 als ledige Mutter ein Kind bekommen hatte. Es blieb nach ihrer Hochzeit und dem Umzug nach Volkach bei den Großeltern und weiteren Verwandten in Kleinlangheim und überlebte die NS-Verfolgung.
Die Ehe scheiterte und wurde später geschieden, 1934 verließ die Mutter Volkach und ließ ihren Sohn beim Vater zurück. Wenig später folgte seine Einweisung in die Fürsorgeerziehung im Vinzentinum in Würzburg. Zwischen einer schwierigen Familiensituation und zunehmenden antisemitischen Beurteilungen im Fürsorgesystem, die letztlich auf Vernichtung zielten, gab es jedoch keine Entwicklungs- und Überlebenschancen für den Jungen. Er wurde 1943 durch das Stadtjugendamt Kitzingen in die „Mischlingsabteilung der Landesanstalt Hadamar“ eingewiesen und dort im Januar 1945 durch eine Giftinjektion getötet. Seine Mutter lebte zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr. Wegen angeblicher wiederholter Rassenschande spätestens 1938 verhaftet, durchlitt sie die Frauenkonzentrationslager Moringen, Lichtenburg und Ravensbrück und wurde 1942 in der Tötungsanstalt Bernburg ermordet.
Zwei jüdische Bürgerinnen und Bürger, die 1933 in Volkach gelebt hatten, wurden also Opfer der NS-Verfolgungsmaschinerie, darunter ein Jugendlicher.
Ob und welcher jüdischen Gemeinde die christlich-jüdische Familie in Volkach angehörte, ist nicht bekannt. So ist die Stadt nicht am Projekt „DenkOrt Deportationen“ beteiligt, das mit Gepäckstücken an die deportierten Jüdinnen und Juden der unterfränkischen Kultusgemeinden erinnert. Doch in seinem Kontext entstand dieser Artikel. Siehe Grundinformationen zu den jüdischen Gemeinden und zum “DenkOrt”.
Erste Informationen zu den Volkacher Shoa-Opfern
Quellen zu den Gemeindeartikeln
Weitere Quelle: Kristin Höhn, Art. „Georg Brönner“, Stolpersteine Würzburg
© Recherche und Text: Rotraud Ries, 2026
Shoaopfer, die 1933 in Volkach gelebt hatten
Georg Brönner (1929 – 1945)
Zerline Brönner, geb. Ackermann (1902 – 1942)