Jüdische Gemeinde Zeitlofs

1933 lebten in Zeitlofs 36 jüdische Bürgerinnen und Bürger. Die ersten jüdischen Bewohner des Ortes sind allerdings schon im 16. Jahrhundert bezeugt, 1682 waren es drei Familien. In Zeitlofs befanden sich Amt und Gericht der Herrschaft Thüngen, einer reichsritterschaftlichen Familie, die hier wie andernorts viele Juden in ihren Schutz nahm. Informationen liegen allerdings erst für die Zeit ab 1800 vor. So wurden 1816 90 jüdische Bewohner:innen des Ortes gezählt, die im Jahr darauf in 22 Haushalten in die Matrikelliste aufgenommen wurden. Die meisten von ihnen waren im Vieh- und Viehproduktenhandel tätig, der 1791 von den Herren von Thüngen eingesetzte Unterrabbiner handelte mit Gewürzen.

1835 erreichte die Gemeinde mit 136 Personen ihre Höchstzahl. Schon um die Mitte des Jahrhunderts gingen die Zahlen dann jedoch deutlich zurück. 1867 wurden 70 Mitglieder gezählt, eine Größe, die bis zum Ende des Jahrhunderts stabil blieb. 1910 waren es nur noch 42 Personen.

Die jüdische Gemeinde, die sich im 18. Jahrhundert bildete, unterhielt eine relativ große Synagoge, in der ein Religionslehrer seinen Unterricht erteilte und wohnte. 1884 zerstörte ein Brand im Dorf das barocke Gebäude. Zügig organisierte die Gemeinde eine erfolgreiche Spendenkampagne und war so in der Lage, auf einem anderen Grundstück eine neue Synagoge zu erbauen und noch im Herbst 1885 einzuweihen.

Schon wenige Monate nach dem Beginn der NS-Diktatur verließen die ersten jüdischen Bürgerinnen und Bürger Zeitlofs, ohne dass wir den Anlass dafür kennen. Allein 1933 waren es bereits fünf Einzelpersonen, denen 1934 und 1935 vier weitere folgten. Dabei schien es bis dahin, als seien die jüdischen Bewohner als Mitglieder in Vereinen oder als Gemeinderäte relativ gut integriert. Ende 1935 bestand die Kultusgemeinde noch aus acht Haushalten mit 25 Personen, alle jüdischen Geschäftsinhaber hatten ihre Betriebe bereits schließen müssen. Erst seit 1936 und besonders 1937 finden wir auch Paare oder Familien, die innerhalb des Reiches umzogen und/oder emigrierten. Im Juli 1938 ging die letzte Familie. Zwei Frauen aus der Gemeinde, die relativ wenige Mitglieder in fortgeschrittenem Alter hatte, starben eines natürlichen Todes. Als Grund für die ungewöhnlich frühe Fluchtbewegung könnte extremer Verfolgungsdruck infrage kommen, von dem man jedoch bislang nichts weiß. Oder es gab Menschen in der sehr traditionsbewussten Gemeinde, die eindringlich und erfolgreich vor den Gefahren der politischen Entwicklung warnten (und vielleicht besonders für die Auswanderung nach Palästina warben).

Insgesamt wanderten bis zu 26 Zeitlofser Jüdinnen und Juden aus – fast alle ins sichere Ausland: zehn direkt aus ihrem Wohnort, zwölf Menschen sicher und bis zu vier weitere wahrscheinlich, die Zeitlofs bereits verlassen hatten. Dies kann man daraus schließen, dass sie belegbar nicht deportiert wurden. Als Ziele dieser Emigrant:innen sind bislang die USA (16-17), Palästina (5) und Frankreich (1) bekannt.

Fünf jüdische Bürgerinnen und Bürger, die 1933 in Zeitlofs gelebt hatten, wurden aus verschiedenen Orten in Unterfranken deportiert. Mindestens weitere drei Personen ereilte dieses Schicksal an ihren neuen Wohnorten in Deutschland. Zeitlofs hat damit mindestens acht Opfer der Shoa zu beklagen, darunter ein Kind und eine Jugendliche. Niemand überlebte die Deportationen. Ein Mann, der in Frankreich und als französischer Soldat in Nordafrika die Verfolgungen überstanden hatte, kehrte 1947 nach Zeitlofs zurück und arbeitete wieder als Viehhändler.

Zeitlofs beteiligt sich mit zwei Koffern am Projekt „DenkOrt Deportationen“. Der lokale Koffer erinnert an die deportierten Jüdinnen und Juden des Ortes. Ein zweiter Koffer aus Zeitlofs steht in Würzburg und bildet zusammen mit denen anderer Kommunen den “DenkOrt Deportationen” vor dem Hauptbahnhof. Siehe Grundinformationen zu den jüdischen Gemeinden und zum “DenkOrt”.

Standort des DenkOrts in Zeitlofs: geplant am Buchgraben auf der sogenannten „Platte“ (Stand 2025)

Ausführlichere Informationen zur jüdischen Gemeinde Zeitlofs 
Quellen zu den Gemeindeartikeln 

© Recherche und Text: Rotraud Ries, 2026, mit Unterstützung von Cornelia Mence

Shoaopfer, die 1933 in Zeitlofs gelebt hatten

Ernestine Goldner, geb. Jakob (1872 – 1943)
Isidor Regensburger (1878 – 1942)
Siegfried Regensburger (1896 – 1941)
Adolf Reich (1889 – 1942)
Max Reich (1931 – 1942)
Rosi Reich (1925 – 1942)
Selma Reich, geb. Goldbach (1897 – 1942)
Gabriel Wormser (1872 – 1942)