Jüdischer Wohnort Sondheim vor der Rhön (IKG Nordheim)

1933 lebte in der Gemeinde Sondheim in der thüringischen Exklave Ostheim eine jüdische Familie mit drei Personen. Geboren in Oberwaldbehrungen waren die Eltern 1889 als erste Juden nach Sondheim gezogen, um sich dort mit Schnitt- und Kolonialwaren geschäftlich zu etablieren. Sie hatten vier Kinder, die das Erwachsenenalter erreichten, von denen drei in Sondheim geboren wurden. Später verkaufte die Familie Holz- und Kurzwaren. Sie gehörte zur jüdischen Kultusgemeinde Nordheim.

Die Repressionen des NS-Staates und sein fortgeschrittenes Alter veranlassten Samuel Schloß, seine Verkaufsstelle 1934/35 abzugeben und mit seiner Frau und der Tochter Rosa, die als einzige der Geschwister ledig noch bei den Eltern lebte, nach Themar südöstlich von Meiningen zu ziehen. Dort wohnte schon lange eine weitere Tochter mit Familie. Samuels Frau starb noch 1935 in Themar. Er selbst zog mit Rosa zu einer weiteren Tochter nach Fulda, 1939 nach Bad Nauheim und starb noch im gleichen Jahr in Frankfurt a.M. Rosa wurde im September 1942 von Bad Nauheim über Darmstadt nach Treblinka deportiert und dort vermutlich sofort ermordet.

Eine jüdische Frau, die 1933 in Sondheim gelebt hatte, wurde also von außerhalb Unterfrankens deportiert. Sie überlebte nicht. Von den Deportationen aus Unterfranken war aus Sondheim niemand betroffen.

Nordheim vor der Rhön beteiligt sich mit zwei Koffern am Projekt „DenkOrt Deportationen“. Der lokale Koffer erinnert an die deportierten Jüdinnen und Juden aus Nordheim und Sondheim. Ein zweiter Koffer aus Nordheim steht in Würzburg und bildet zusammen mit denen anderer Kommunen den “DenkOrt Deportationen” vor dem Hauptbahnhof. Siehe Grundinformationen zu den jüdischen Gemeinden und zum “DenkOrt”.

Standort des DenkOrts in Nordheim vor der Rhön: am Bahnhof

Ausführlichere Informationen zur jüdischen Gemeinde Nordheim
Quellen zu den Gemeindeartikeln

Weitere Quelle: Elisabeth Böhrer, Von Sondheim vor der Rhön an die Somme. Die Familie des Julius Schloß, in: Heimatjahrbuch des Landkreises Rhön-Grabfeld 42 (2020), S. 447-456.

© Recherche und Text: Rotraud Ries, 2026; mit Unterstützung von Elisabeth Böhrer

Shoaopfer, das 1933 in Sondheim gelebt hatte

Rosa Schloß (1891 – 1942)